Die Terrasse

Helga & Grete auf Exkursion.

Helga & Grete wohnen in ihrem Hühnerhaus in meinem Garten. Um das Hühnerhaus gibt es ein Gehege, ihr Auslauf. Er ist mit einem mobilen Weidezaun eingehegt, den ich versetzen kann, wenn die beiden es mit dem Scharren wieder einmal zu wild getrieben haben. Ein Schutznetz gegen Greifvögel sichert das ganze Ensemble gegen Angriffe aus der Luft. Damit meine beiden Hennen des Nachts sicher vor Marder und Fuchs sind, sorgt eine elektronische Hühnerklappe für geordnete Schließzeiten. Ich habe den Eindruck, sie mögen ihr kleines Smart-Home. Wenn zuviel los ist im Garten, ziehen sie sich gerne dahin zurück. Allerdings nutzen sie dann nur den Volierenteil ihres Hauses. Der ist für sie offenbar eine Art Veranda, von der aus sie noch alles im Blick haben. Zieht sich mal eines der beiden Hühner in den Wohnbereich mit Legenest zurück ohne, dass ein Eiergeschäft ansteht, dann kann ich sicher sein, es ist zutieft beleidigt oder verschreckt.

Helga & Gretes Hühnerhaus

Das Gras ist grüner auf der anderen Seite

Die ersten sechs bis acht Wochen reichte ihnen ihre kleine Gehegewelt ganz und gar. Aber dann sprangen sie immer öfter auf ihr Hühnerhaus und auf einen großen Blumentopf, um die Welt außerhalb in Augenschein zu nehmen. Verständlich, ist das Gras auf der anderen Seite des Weidezauns doch grüner und vor allem kräftiger. Die beiden schmiedeten Fluchtpläne: Grete entschied sich für beherzte Flattersprünge über den Zaun, als es noch kein Greifvogelnetz gab. Helga gelang es, unter dem Zaun durchzukriechen. Ich rüstete auf, mit Schutznetz und Erdhaken. Grete blieb bei einem weiteren Fluchtversuch hängen und musste gerettet werden. Glücklicherweise blieb sie cool und geriet nicht in Panik, weil Rettung schnell nahte. Fortan zeigt sie sich einsichtig und unterläßt diese Harakiri-Sprünge. Helga kam bisher nicht auf die Idee, ihre Erdkuhlen so tief anzulegen, dass sie doch unter dem Zaun durchkriechen könnte.

Nicht nur Gras, auch Tulpen werden von Helga und Grete gerne bepickt…

Ich jedenfalls habe ein Einsehen und lasse sie nun mindestens für ein paar Stunden nachmittags und abends auf die große Wiese und zum Kirschlorbeerdickicht am Thermokomposter und unter die Hortensien. Wollen sie raus aus ihrem Gehege, rennen sie gackernd und fauchend am Zaun hin und her und zerren mit ihren Schnäbeln daran. Ich denke, sie wissen genau, dass sie das blöde Ding nicht umgelegt bekommen, aber wie könnten sie mir eindrücklicher klar machen, dass sie raus wollen?

Und wo wohnst Du?

Die Wiese, die Hortensien und der Kompostbereich sind furchtbar spannende Orte für meine beiden lebenslsutigen Hennen. Viel grünes Gras, ein hübsches Hortensiendach zum Ausruhen ohne gesehen zu werden (höchstens von Remo dem Nachbarhund, aber die drei verstehen sich prima) und wunderbar lockere Erde um den Kompost mit allerlei interessantem Getier. Zwischen Wassertonnen und Thermokomposter werden durch emsiges Scharren ganze Tagebaulandschaften angelegt, die ich mit meinem Rechen wieder eineben muss. Erst neulich geriet ein Komposter in eine kritische Schieflage…

Und wo wohnst Du?

Doch meine beiden klugen Hühner, interessieren sich darüber hinaus für die nähere Umgebung. Seite an Seite erkunden sie z.B. Staudenbeete am Rand der großen Wiese. Natürlich scheuche ich sie sofort weg, was sie unwillig akzeptieren um es wenig später erneut zu versuchen. Auch der alte „Pool“ erregt immer wieder ihr Interesse, obwohl er nichts zu fressen bietet. Ja, und ich bin stolz, Indizien dafür zu haben, dass sie sich auch für mich und meine Behausung zu interessieren scheinen. Die Terrasse hat es ihnen angetan. Sicher, weil ich soviel Zeit dort verbringe! Ich hoffe nicht, dass sie nur dort vorbeischauen, weil ich dort auch gerne meine Mahlzeiten zu mir nehme. Vielleicht sind es aber auch die großen, fleischigen Blätter der Hosta? Wie auch immer: die Terrasse übt eine magische Anziehungskraft auf sie aus, übrigens auch, wenn ich im Haus verschwunden bin. Dann finde ich sie vor der halb geöffneten Tür wieder und die langen Hälse recken sich,um ins Innere zu schauen. Schließe ich die Tür ganz – ich halte sie mittlerweile für so tollkühn auch meinem Wohnzimmer einen Besuch abstatten zu wollen – stehen sie vor der Tür und gackern mich laut herbei.

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