Der Preis des Eis

Eins ist klar, meine Hühnerhaltung ist ein Hobby. Nicht alternative Lifestylemagazine wie Landlust oder Food & Farm haben in mir den Wunsch nach Selbstversorgung geweckt. Nein, es ist nichts weiter als die Freude an einem Hobby. Selbstverwirklichung statt Selbstversorgung. Ich bin vernarrt in meine beiden Hennen und immer wieder entzückt über das kleine Wunder täglich mindestens ein Ei von ihnen geschenkt zu bekommen. Manchmal ist es noch körperwarm und macht klar: dieses 65-75 Gramm-Päckchen namens Ei, presst das emsige Federvieh binnen 24 Stunden Tag für Tag aus sich heraus. Doch der Preis dieser Eier ist hoch. Helga und Grete zu halten ist purer Luxus. Natürlich muss ich für unseren Zweipersonenhaushalt keine Eier mehr kaufen. Wie teuer die eigenen Eier sind, zeigt die überschlägige Rechnung.

Linke Seite, der gekaufte Stall aufgestockt, rechte Seite die angebaute Voliere

Stallbau

Kosten für den Stall 179 €

– Material für angebaute Voliere 50 €

– Metallplatten als Untergrabungsschutz 50 €

Nippeltränke mit Frostschutzheizung 90€

Futterautomat 60 €

2 elektronische Hühnerklappen 306 €

Weidezaun um das Gehege 100 €

Greifvogelschutznetz über Gehege 60 €

Unter dem Strich sind das 895 €

Achthunderfünfundneuzig Euro hat die Hühnervilla gekostet – ein stolzer Preis! Ich gehe davon aus, dass sie 10 Jahre ohne Reperaturen übersteht. Also rechne ich einfach mal mit 89,5 Euro je Jahr alleine für den Stall. Das ist natürlich nur überschlägig. Ein Landwirt würde den Stall in der Regel über mindestens 10 Jahre linear mit 10 % pro Jahr abschreiben. Die Nutzungsdauer von Profiställen ist aber eher 20 Jahre.

Hühner, Futter und Arbeitszeit

Auch wenn sich Helga und Grete von Gras, Würmern, Speiseresten und Gartenabfällen ernähren, füttere ich sie außerdem mit einem Bio-Legehennenfutter aus verschiedenen Getreidearten.

ca. 50 kg Bio-Legehennenfutter/Jahr 60 €

Auch die beiden Junghennen Helga und Grete hatten ihren Preis. Zusammen kostenten sie 50 €, dass ist natürlich viel mehr als ein landwirtschaftslicher Betrieb zahlen würde, der von den Brütereien Küken kauft.

Helga & Grete 50 €

Strenggenommen müsste ich jetzt für Helga und Grete auch eine Nutzungsdauer – wie beim Stall – festlegen. Mache ich aber nicht – oder doch? Legehennenbetriebe nutzen ihre Hühner nur 12- 14 Monate. Wenn sie in die Mauser kommen, werden sie getötet und enden als Suppenhuhn oder Tierfutter. Helga und Grete sollen bei mir alt werden – auch wenn sie in den künftigen Legeperioden, mit zunehmendem Alter, immer weniger Eier legen werden. Ich werde sie hegen und pflegen und gehe davon aus, dass sie mindestens 10 Jahre auf den Buckel kriegen. Das ist eine realistische Lebenserwartung für ein Huhn. Die Anschaffung der beiden würde somit mit 5 Euro je Jahr zu Buche schlagen.

Und in die Tiereuchenkasse muss ich jährlich auch noch 10 € einzahlen.

Von meiner Arbeitszeit, den Stall aufzubauen, die Voliere zu konstruieren, die elektronischen Hühnerklappen im Wohn- und Volierenbereich einzubauen, will ich hier gar nicht sprechen. Es ist ja ein Hobby, also muss ich mir auch keinen Stundensatz für meine Arbeit überlegen.

Was kostet ein Bio-Ei?

Bio-Eier bekommt man im Discounter ab 25 Cent pro Stück, in sonstigen Supermärkten kosten sie zwischen 30 und 40 Cent. Beim Direktvermarkter vom Markt oder aus dem Hofladen kann der Preis für große Eier auch bei bis zu 45 Cent liegen.

Die aktuellen Preise für Freilandeier (nicht Bio) bei Aldi liegen mit knappen 17 Cent pro Ei deutlich darunter.

Helga und Grete haben seit April diesen Jahres nahezu täglich ein Ei gelegt. Das heißt bis zum heutigen Tag sind das pro Huhn 227 Eier. Ziehe ich bei jeden Huhn 10 Tage ab, an denen sie nicht gelegt haben, sind es zusammen 434 Eier. Hätte ich 434 Eier zum Preis von 45 Cent gekauft (die beiden legen schließlich große Eier), hätte ich 195,3 Euro hinblättern müssen. Das Jahr ist noch nicht ganz zu Ende und auch, wenn es nun dunkler wird und die beiden bald in die Mauser kommen werden, rechne ich für das verbleibende Jahr einfach mal mit weiteren 35 Eiern. Die Jahresleistung von Helga und Grete wäre dann 469 Eier für die ich 211,05 Euro hätte zahlen müssen.

Meine „Produktionskosten“ dieses Jahr belaufen sich auf:

– Stall (anteilig) 98,5 €

– Futter 60 €

– Kaufpreis Helga und Grete (anteilig) 5 €

– Tierseuchenkasse 10 €

Unterm Strich sind das 173, 5 €.

Ein Gewinn von 37,55 Euro – Wow!

211,05 € minus 173,5 € sind 37,55 Euro – mein Gewinn!!! Ein Gewinn von 8 Cent pro Ei! Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, pardon Hühnerlieselrechnung. Ich habe keine Lohnkosten berücksichtigt – ist ja mein Hobby. Auch keine Kosten für Strom, Heizung oder Wasser, die bei richtigen Hühnerställen natürlich anfallen, weil geheizt oder belüftet werden muss, Licht brennt und Stalltechnik Strom verbraucht. Auch Kosten für den Tierarzt, für Impfungen, für Vertrieb, Verpackung, Steuern gibt es in meiner Berechnung nicht. Würde man all dies berücksichtigen, ließe man die Finger von dieser kostenintensiven Haltung. Kein Bauer könnte davon leben! 2018 hat ein Bauer im Durchschnitt nur 9,3 Cent pro Ei bekommen (siehe Grafik). Diese 9,3 Cent umfasst alle Vermarktungswege, vor allem auch die über den Einzelhandel. Von diesem sogenannten Erzeugerpreis muss er noch seine Unkosten decken. Wenn Helga und Grete in den nächsten Jahren weniger Eier legen werden, werde ich keinen „Gewinn“ mehr machen, die jährlichen Durchschnittskosten von 173,5 Euro werde ich mit Helga und Gretes Eiern nicht „verdienen“.

Was erhalten Landwirte für ihre Erzeugnisse?
Vergleicht man die Erzeugerpreise mit den Ladenpreisen, fällt auf, dass nur ein recht geringer Anteil dessen, was wir für unsere Lebensmittel bezahlen, bei den Landwirtinnen und Landwirten ankommt. Ebenfalls auffällig sind die großen Preisschwankungen. Während zum Beispiel der Erzeugerpreis für Kartoffeln zwischen 2014 und 2016 um 61 Prozent stieg, sank er im selben Zeitraum für Milch um 29 Prozent. Dies macht es für landwirtschaftliche Betriebe so schwer, langfristig zu kalkulieren.

Aufhören mit der Hühnerhaltung? Niemals!

Natürlich ist diese Berechung für mich kein Grund, mich von Helga und Grete zu trennen – niemals! Ich habe auch schon eine Idee, wie ich die Berechnung etwas aufhübschen kann: Aus Mist Gold, nein Geld machen. Demnächst berechne ich den Nährstoffwert und den Preis von ihrer Hühnerkacke. Denn wenn die beiden älter werden, legen sie weniger Eier, aber fressen und kacken werden sie weiter wie bisher.

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